Märchen

Rotkäppchen

Rotkäppchen – als bayerisches Märchen-Gedicht

Weil a Kind auf a schens rots Kapperl von der Oma so fliagt,
hod sie ganz schnei den Nama Rotkäppchen griagt.

Eines Tages schickte die Mama des Rotkäppchen in den Woid,
„bring der Oma wos zum Essen und Dringa, und zwar boid.“

Des Madl hod versprocha den kürzesten Weg zu nemma,
im Woid is ihra aber der Wolf in d´Nähe kemma.

Der Wolf fragt: „Is des ned a schena Dog?“
Und wos sie der Oma olles bringa mog.

„Kuacha und Wein?
Des konn doch ned olles sein.

Bring der Oma a boor Bleame mit,
werst seng, des is der große Hit.“

Des Rotkäppchen hod bloß no a de Bleame dacht,
der Wolf hod sich aufn Weg zur Oma gmacht.

Schließlich wuid er ned bloß des Rotkäppchen ganz alloa,
na er wuid, wenn scho denn scho, glei olle zwoa.

Er hod die Klinkn von der Tür nunter druckt
und dann ganz schnei die Oma verschluckt.

Hod ihr Gwand ozogn und ihr Haum aufgsetzt
und hod gwart, bis des Rotkäppchen zu der Oma hetzt.

Des Rotkäppchen kam, die Tür stand auf,
dass do wos ned in Ordnung is, do kam sie scho drauf.

Sie hod die Oma dann glei gfraggt,
und de hod immer wos drauf gsaggt.

„Worum host du so große Ohrn und so große Augn,“
„damit konn I besser hern und besser schaugn.“

„Und worum so große Händ und so a groß Mei?“
„Damit I di besser backa und fressen konn!“ Und dann fraß er sie glei.

Da kam der Jäger an das Haus
und merkt, mit der Oma, des is nix genaus.

Er findt den Wolf ganz dick und fett
mitten drin in der Oma ihrm Bett.

Der Oma zuliab daschoss er den Wolf ned mitm Gwaahr
sondern schnitt erm den Bauch auf mit der Schaar.

Und tatsächlich, des hod sich rentiert,
weil zerst des Rotkäppchen und dann die Oma aus dem Bauch „spaziert“.

Der Bauch vom Wolf soid aber weiterhin so schwaar sei wia zuvoa,
drum hod erm des Rotkäppchen an Haufa Stoana nei doa.

Der Wolf wurde dann endlich wieder wach,
er stand schnei auf, legt sich aber glei tot flach.

Die Oma konnte endlich den Kuacha essen und den Wein zamm dringa,
und des Rotkäppchen ließ sich künftig nie wieder vom Weg obbringa!

In Versform gebracht vom:
„Verserl-Paule“
Paul Thaller, Gedichte für jeden Anlass
85107 Baar-Ebenhausen
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